das tomas schmit archiv
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rekonstruktion des arbeits- und schreibzimmers von tomas schmit in der galerie barbara wien in berlin-tiergarten, berlin im sommer 2022 © tomas schmit archiv, photo © berit schuck
im jahr 2006 wurde das arbeits- und schreibzimmer von tomas schmit (1943–2006), das er 1965 in seiner wohnung in berlin-charlottenburg eingerichtet und 2001 mit nach berlin-mitte genommen hatte, in kisten verpackt und in der galerie barbara wien im berlin-tiergarten wieder aufgebaut. noch im selben jahr wurde der raum, den tomas schmit vierzig jahre lang als denk- und arbeitsraum genutzt hatte, von barbara wien in „tomas-schmit-archiv“ umbenannt und dazu bestimmt, das werk des künstlers lebendig zu erhalten. das tomas-schmit-archiv bewahrt seither den nachlass des künstlers auf und ist zu einem ort geworden, an dem verschiedene projekte rund um das werk von tomas schmit entwickelt wurden und weiterhin entwickelt werden, darunter ausstellungen, kataloge, bücher und texte, ein oral-history-projekt sowie aktuell ein werkverzeichnis.
zu den wichtigsten beständen des archivs gehören tomas schmits fluxus-partituren von 1962 bis 1965, seine fluxus-multiples von 1966 bis 1968 und seine frühen fluxus-publikationen. das bekannteste unter diesen frühen werken ist die partitur zyklus für wassereimer von 1962. sie gehört zu den ikonischen werken der fluxus-zeit. die photos der aufführung 1963 in amsterdam (dorine van der klei) sind in allen wichtigen fluxus-katalogen zu finden. in der grafischen version wurde die partitur u.a. im macba – museo d’art contemporani de barcelona; im henie onstad kunstsenter, oslo; im neuen berliner kunstverein, berlin; und dem museo reina sofia, madrid, ausgestellt.
andere wichtige werke im archiv sind die selbstgestalteten und selbstverlegten bücher von tomas schmit, wie z.b. das uch der b (the ook of b) und von phall zu phall von 1966, das gute dünken von 1970 sowie erster entwurf (einer zentralen ästhetik) von 1989. im archiv sind nicht nur die erstausgaben dieser bücher, sondern auch die konzepte, textskizzen und manuskripte von tomas schmit erhalten.
neben diesen werken befinden sich auch ausgewählte zeichnungen von tomas schmit im archiv, die künstlerexemplare seiner neun editionen in der edition hundertmark sowie zwölf seiner fünfundachtzig quagga-hefte (hefte mit originalzeichnungen von tomas schmit). barbara wien hat diese bestände nach 2006 durch ankäufe und schenkungen gezielt erweitert.
zu den wichtigeren beständen gehören außerdem die unterlagen, manuskripte, skizzen etc. zu allen selbst verfassten ‚werkverzeichnissen‘ von tomas schmit: katalog 1 von 1978, katalog 2 von 1987, katalog 3 von 1997 und katalog 4 von 2007 (posthum) sowie seine texte über fluxus von 1963 bis 2005. nach einschätzung von george brecht, george maciunas, dieter roth oder emmett williams haben diese texte eine kritische auseinandersetzung mit fluxus aus der innenperspektive ermöglicht. der text handel, handlungen, händel, behandlungen von 1963 in allen wichtigen fluxus-anthologien abgedruckt.
neben diesen beständen befinden sich werke von befreundeten künstlern im archiv, darunter arbeiten von george brecht, stanley brouwn, ludwig gosewitz, dorothy iannone, arthur köpcke, george maciunas, nanne meyer, nam june paik, andrea tippel, dieter roth und la monte young.
erweitert werden diese bestände durch die bedeutenden, umfangreichen korrespondenzen von tomas schmit mit diesen befreundeten künstlern sowie künstlern, mit denen er zusammengearbeitet hat, wie z.b. stanley brouwn, george brecht, joseph beuys, ludwig gosewitz, dorothy iannone, dick higgins, robert filliou, arthur köpcke, alison knowles, george maciunas, charlotte moorman, nam june paik, benjamin patterson, dieter roth, mieko shiomi, wolf vostell und emmett williams.
diese korrespondenzen werden ergänzt durch kunsthistorisch relevante korrespondenzen mit kunstwissenschaftlern, kuratoren, galeristen und verlegern, wie z.b. kasper und walther könig, susanne rennert, harald szeemann, rudolf jährling, marlene frei, barbara moore, rudolf springer, michael werner und barbara wien. erwähnt werden soll an dieser stelle auch die bedeutende korrespondenz von tomas schmit mit dem neurowissenschaftler, autor und damaligen direktor des max-planck-instituts für biologische kybernetik in tübingen, valentin braitenberg, die 1990 mit dessen rezension des buches von tomas schmit einsetze und bis zum tod von tomas schmit 2006 andauerte. sie zeugt von der intensiven auseinandersetzung mit konzepten der neurowissenschaften bei tomas schmit, die sich nicht nur in seinem buch erster entwurf (einer zentralen ästhetik) niederschlug. sie ist ab mitte der 1980er jahre in vielen zeichungen des künstlers manifest und ist neben fluxus ein zweites großes thema im werk von tomas schmit.
zu diesen beständen hinzu kommt noch eine sammlung von fluxus-plakaten, einladungskarten sowie photos von performances, gruppenaufführungen und soloausstellungen, an denen tomas schmit beteiligt war.
seit 2022 wird das archiv vom 2021 gegründeten verein schneckentreffen e. v. unterstützt. weitere informationen zum verein, finden sie hier.